Birkenheide 

Die Gründung der Großsiedlung „Hundertmorgen“, aus der die Ortsgemeinde Birkenheide hervorging, erfolgte gegen den Willen der Gemeinde Weisenheim im Jahre 1936 auf deren Gemarkung. Die bewussten „100 Morgen“ waren ein Teil aus der Gemarkung des längst untergegangenen Heidedorfes Eyersheim. Das kurpfälzische Hofgericht in Heidelberg hat im Jahre 1555 die gesamte Gemarkung Eyersheim der Gemeinde Weisenheim zugesprochen. Um das Weiderecht in der Gemarkung wurde jedoch durch die Gemeinden Weisenheim und Lambsheim ein regelrechter Weidestreit, der bis ins Jahr 1472 zurückgeht, geführt. 

Erst im Jahre 1772 wurde der Streit durch das Oberamt Alzey beendet. Das bis dahin gemeinsam ausgeübte Weiderecht wurde aufgeteilt. Der Gemeinde Lambsheim wurden auf 100 Morgen Heide das alleinige Weiderecht zugesprochen. Bei dieser Gelegenheit wurde den Kontrahenten zur Auflage gemacht, auf der Heide Wald anzupflanzen. 1936 wäre dieser alte Streit fast wieder entflammt. 

Die Gemeinde Lambsheim hatte beantragt, dass sie im Grundbuch als Eigentümerin für die „100-Morgen-Weide“ eingetragen wird. Dem wurde auch vom Amtsgericht Bad Dürkheim entsprochen. 
Damit war die Möglichkeit geschaffen, dass die Gemeinde Lambsheim das Gelände an die Saarpfälzische Heimstätte zur Gründung der Großsiedlung „Hundertmorgen“ verkaufen konnte. Auf der Gemarkung wurden 108 Familien mit 528 Personen aus Ludwigshafen, Frankenthal, Lambsheim, Maxdorf und Weisenheim durch die damalige „Deutsche Arbeitsfront“ angesiedelt. Bis zu ihrer Selbständigkeit am 1. Oktober 1952 wurde die Siedlung, in der noch jede öffentlichen Einrichtungen fehlten, von Weisenheim aus mitverwaltet. 

Albertine Scherer, die erste legendäre Bürgermeisterin von Birkenheide, setzte sich mit der ihr eigenen Tatkraft dafür ein, dass sich aus der anfänglich 1.200 Menschen zählenden Notsiedlung ein Dorf mit hohem Wohnwert entwickelte. Noch im Jahre 1952 entstand die Volksschule, heute die Albertine-Scherer-Grundschule in Birkenheide. Im Verlauf der folgenden Jahre wurden nach und nach alle erforderlichen Einrichtungen, wie z.B. Kanalisation, konfessionelle Kindergärten, Feuerwehrhaus und Spielplätze erstellt. 

Von 1964 bis 1970 erfolgte die Sanierung des Behelfsheimgebietes durch den Bau von modernen Wohnblöcken und Reihenhäusern. 

1951 wurde die protestantische Pfarrkirche und 1967 die katholische Kirche erbaut, die 1994 völlig neu errichtet wurde. 1977 war die Einweihung der Schulsporthalle, die der sportlichen Betätigung neue Impulse gab. Das Schmuckstück der Gemeinde ist das im Jahr 1983 errichtete Dorfgemeinschaftshaus. Es bildet das Herzstück für die Bürger, Familienfeiern und Vereinsaktivitäten. 1994 wurde die kommunale Kindertagesstätte eröffnet, heute Ganztageseinrichtung für 1-6 jährige Kinder. 

Durch die Erschließung des Baugebietes „29. Bruchgewanne“ sowie durch Ortverdichtung entwickelte sich die Gemeinde enorm. Ein Ortsentwicklungsplan und ein neues Entwässerungskonzept hat ab 2000 zu baulichen Maßnahmen und damit zur Verbesserung des Wohnumfeldes und des Ortsbildes beigetragen. Der neu gestaltete Ortsmittelpunkt prägt die Gemeinde. Straßen- und Kanalsanierungen sowie der Erhalt der kommunalen Einrichtungen sind die Herausforderungen der heutigen Zeit. Auf die Ausweitung von Gewerbegebieten und weiteren größeren Wohngebieten wurde im Interesse der natürlichen Umgebung bisher verzichtet. 

Landschaftsschutzgebiete im Norden (Isenachbruch) und im Süden (Silbergrasflur) unterstreichen den besonderen Reiz der Landschaft mit ihrer seltenen Fauna und Flora. Der liebevoll gepflegte Tierpark ist Anziehungspunkt für jung und alt aus der näheren und weiteren Umgebung.

1985 errang Birkenheide im Dorfverschönerungswettbewerb erstmals den 1. Platz im Landkreis Ludwigshafen und 1994 den 2. Preis in der Sonderklasse. Die Ortsgemeinde Birkenheide hat heute rund 3.270 Einwohner.